Aus der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Reut

Wie aus den frühesten Aufzeichnungen der Feuerwehr hervorgeht, wurde auf Anregung des damaligen Bezirksamtmannes Georg Benedikt Kapraun von Pfarrkirchen und des Herrn Bürgermeisters der Gemeinde Eggstetten, Peter Eidenhammer, am 1. Oktober 1884 in Reut eine Freiwillige Feuerwehr gegründet. Besonders eingesetzt hat sich auch der Bauer Jakob Jetzlsperger von March, der die Liste der 32 Gründungsmitglieder anführt. 1914 bei Kriegsausbruch war der Mitgliederstand 30 Mann, 20 von ihnen wurden eingezogen, drei kehrten nicht mehr zurück: Lindl Karl, Meier am Hof; Grübl Josef, Schreinergehilfe in Reut und Lindner Johann, Krämerssohn in Reut. Zum 50 jährigen Gründungsfest im Jahre 1934 hatte die Wehr 43 Mitglieder.




Gründungsmitglieder:

Jakob Jetzlsperger, Bauer in March
Eduard Jäger, Gastwirt in Reut
Josef Wochinger, Bauer in Weiermeier
Johann Forster, Altfalterer
Kaspar Friedlmeier, Straß
Martin Wolfgruber, Zelg
Johann Huber, Niedermeier in Reut
Anton Huber, Reut
Josef Lindner, Lehrl
Franz Lindner, Krämer in Reut
Karl Niederhammer, Schmid in Klöbing
Kaspar Lindl, Maier am Hof
Matthias Hochriegel, Reut
Ludwig Lindl, Klein-Maier am Hof
Georg Gandner, Schuhmacher in Blüml
Wolfgang Rogginger, Bauer in Blüml
Georg Mühlschuster, Bauer in Klöbing
Johann Prinz, Bauer in Stallöd
Andreas Forster, Göppl
Johann Lindner, Hurnaus
Matthias Maier, Hammersberg
Johann Hutterer, Geiger
Georg Lindinger, Zweckberg
Anton Gruber, Ranner
Michael Keinz, Schmiedgeselle in Reut
Ludwig Meisenegger, March
Heinrich Meier, Blindenthal
Franz Haghuber, Maurer in Reut
Josef Weiß, in Weiß
Michael Holzner, Blindenthal
Josef Dallinger, in Leiten
Johann Hofbauer, Zimmerer in Reut

Vorstände

Johann Prinz, Stalled
Josef Wochinger, Weiermeier
Franz Strasser, Gastwirt in Reut
Johann Lindl, Maier am Hof (1924 – 1939)
Matthäus Schantz, Oberwimm (1947 bis 1954)
Thomas Prinz, Reut (1954 bis 1960)
Josef Eder, Niedernberg (1960 bis 1964)
Josef Huber, Niedermeier (1964 bis 1975)
Josef Lindl, Schöderl (1975 bis 1991)
Josef Waldhör, Madl (1991 bis 2009)
Josef Eder, Niedernberg (2009 bis 2015)
Stefan Haslinger, Reut (seit 2015)

Kommandanten:

Jakob Jetzlsperger, March (Gründungskommandant)
Eduard Jäger, Gastwirt in Reut
Josef Hartl
Ludwig Waldhör, Ebenhof ( 1919 bis 1960 )
Karl Lindl, Maier am Hof (1960 bis 1964)
Johann Waldhör, Ebenhof (1964 bis 1964)
Karl Lindl, Maier am Hof (1965 bis 1969)
Josef Schöfberger, Reut (1969 bis 1991)
Franz Haslinger, Reut (1991 bis 2003)
Thomas Steiner, Reut (seit 2003)




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Kommandant Ludwig Waldhör während einer Festlichkeit.
Er war vom Jahre 1919 bis 1960, also 41 Jahre Kommandant

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Josef Schöfberger (21 Jahre lang Kommandant). Mit einer Gruppe beim Leistungsabzeichen



Die Ausrüstung

Nach der Gründung der Feuerwehr Reut wurde durch die Gemeinde Eggstetten, zu der Reut damals noch gehörte, eine Löschmaschine angekauft und – wegen des Fehlens eines Feuerwehrhauses – diese in den Wirtschaftsgebäuden des Herrn Jäger hinterstellt. Erst 1900 erbaute man ein Feuerwehrhaus, wozu Gastwirt Jäger den nötigen Grund unentgeltlich abgab. 1924 hat dann der Gemeinderat unter Bürgermeister Isidor Dorfner beschlossen, bei Andreas Forster in Göppl ein Feuerwehrhaus zu bauen, wozu dieser die Grundfläche unentgeltlich abgab. Im Laufe des Jahres wurde dann die alte Löschmaschine dort hingebracht, um dieselbe im Ernstfall an der Gemeindegrenze zu haben und auch um der Nachbargemeinde schneller Hilfe bringen zu können. Die Gemeinde Taubenbach zeigte sich sehr interessiert dafür und stellte einen entsprechenden Geldbetrag zur Verfügung.
Am 22.12.1939 wurde durch Bürgermeister Wagner im Beisein des Kommandanten Ludwig Waldhör bei der Firma Gugg in Braunau der Ankauf einer Motorspritze mit den nötigen Schläuchen getätigt. Bei der Übergabe am 21.04.1940 war auch KBI Dachauer aus Simbach anwesend. Am 1.Mai 1945 zogen die Amerikaner in Reut ein, nahmen das Feuerwehrhaus in Anspruch und setzten die Geräte ins Freie. Der Anhänger für die Motorspritze ist dabei abhanden gekommen. Nach ein paar Tagen hatten die amerikanischen Truppen auch die Motorspritze samt Schläuchen geholt. Durch Zufall erfuhr Kommandant Waldhör, dass beim Bach unterhalb der Mühle in Antersdorf eine Motorspritze im Betrieb der Amerikaner zum Waschen ihrer Wagen und Fahrzeuge steht. Als Hr. Waldhör hinkam, waren die amerikanischen Soldaten Gott sei Dank weg und die Spritze fand sich im Bach wieder.
Für den abhanden gekommenen Anhänger, gab der Gemeinderat, bei der Firma Bachmeier in Untertürken, einen Neuen in Auftrag. Der neue Hänger erwies sich aber als viel zu klein und unzweckmäßig, so dass durch den Gemeinderat unter Bürgermeister Thomas Prinz ein zweiachsiger Wagen mit Sitzgelegenheit bestellt wurde. Angefertigt wurde dieser durch Georg Baumgartner, Schmied; Jakob Kargl, Wagner; Josef Schöfberger, Schreiner (alle Reut) und Josef Thallinger, Zweckberg. Die Übergabe fand am 17. April 1955 statt.
Im Jahr 1966 wurde durch die Gemeinde unter Bürgermeister Michael Bachl ein VW-Bus mit der TS F 8/8 Spritze bestellt, welcher 1967geliefert wurde.
1974 erfolgte der Anschluss der Sirene an die Funksteuerung.

Ende der 70-er Jahre war das Feuerwehrhaus in Reut deutlich in die Jahre gekommen und nicht mehr zeitgemäß. Eine längere Entscheidungsfindung hinsichtlich des Platzes für das neue Haus folgte. Zeitgleich war die Gemeinde auf der Suche nach einem Platz für einen Bauhof. Auch hier standen verschiedene Konzepte zur Diskussion. Schließlich wurde ein Konzept erarbeitet, welches beide Bauvorhaben, also das Feuerwehrhaus und den Bauhof beinhaltete. Im Herbst 1979, bei äußerst kaltem und unfreundlichem Wetter begannen die Bauarbeiten. Um Geld zu sparen erfolgten die Arbeiten so weit als möglich in Eigenregie. Das Baumaterial zahlte größtenteils die Gemeinde. Aber auch davon wurde von der Bevölkerung, bzw. von den Feuerwehrmitgliedern ein Teil getragen, wie zum Beispiel das Holz für den Dachstuhl. Täglich arbeiteten, Mauerer, Zimmerer und weitere Handwerker aus den eigenen Feuerwehrreihen. Sehr zu Gute kam dabei die Wohnortnähe von Kommandant Josef Schöfberger. Nahezu täglich arbeitete er auf der Baustelle und sorgte für einen reibungslosen Ablauf. Nach fast einem Jahr Bauzeit wurde das neue Gebäude im Herbst 1980 fertig gestellt. Im Anschluss erhielt in feierlichem Rahmen das neue Feuerwehrhaus den kirchlichen Segen.






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Einweihung des neuen Feuerwehrhauses



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Bürgermeister Alois Alfranseder übergibt Kommandant Josef Schöfberger die Schlüssel für das neue Feuerwehrhaus


Als nächstes stand die Anschaffung eines neuen Feuerwehrautos an. Die Zuständigkeiten der Feuerwehren hatten sich ausgeweitet und der 17 Jahre alte VW-Bus entsprach nicht mehr den Anforderungen. So wurde im Jahr 1983 ein neues Mercedes-Tragkraftspritzenfahrzeug gekauft.

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Das neue Feuerwehrauto


Die Weihe erhielt das neue Fahrzeug beim 100-jährigen Gründungsfest am 20. Mai 1984, durch Pfarrer Anton Würzinger und Pfarrer Dr. Eichinger.

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Die Segnung des neuen Fahrzeuges

Eine Motorsäge wurde 1987 angeschafft, 1989 erfolgte die Einführung der Handfunksprechgeräte. 1990 schaffte man gemeinsam mit den Ortswehren Taubenbach und Randling einen Siloblock-schneider an. Stationiert wurde er im Reuter Feuerwehrhaus. Nach dem damaligen Stand der Zeit wurde er als optimal angesehen, um das Abtragen von Heustöcken zu erleichtern. Bezuschusst wurde er sogar vom Landkreis. Auf Grund der Veränderungen in der Landwirtschaft und der damit verbundenen Verlagerung von Heu auf Silage kam jedoch der Blockschneider bisher kaum mehr zum Einsatz. Als nächstes erfolgte im Jahre 1990 der Ankauf eines Hochdruck-reinigers, welcher für Reinigungs- und Pflegearbeiten verwendet wird. Auf Anregung von Bürgermeister und Gemeinderat wurde im Jahre 1993 ein Vereinsraum im alten Schulhaus errichtet. Die Arbeitsleistung erfolgte durch verschiedene Ortsvereine, die Kosten für das Baumaterial übernahm die Gemeinde.


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Der neue Fahrzeuganhänger

Eine Reaktionszeitverkürzung und Arbeitserleichterung erfolgte im Jahre 2002 mit der Anschaffung eines Fahrzeuganhängers. Darin sind Hilfsmittel für technische Hilfeleistungen, wie z.B. das kleine Notstromaggregat, Ölbindemittel, Absperrtafeln und weitere Kleinteile untergebracht. Die Einführung der zusätzlichen Alarmierung über das Mobiltelefon-netz erfolgte im Jahre 2006. Da unser Feuerwehrauto mittlerweile in die Jahre gekommen ist (26 Jahre) wird eine der nächsten größeren Anschaffungen ein neues Fahrzeug sein.




Fahnen und Fahnenweihen

Gründung im Jahre 1884

Nach der Gründung schaffte sich die Feuerwehr eine Standarte an.

25-jähriges Gründungsfest im Jahre 1909

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens und auch weil die alte Standarte schon sehr stark abgetragen war, kaufte sich die Wehr wieder eine neue Standarte. Wie viele Vereine zur Weihe der neuen Standarte erschienen waren, ist nicht bekannt.

50-jähriges Gründungsfest im Jahre 1934

Zur Feier des 50-jährigen Bestehens am 1. Juli 1934 wurden elf Vereine eingeladen, neun waren erschienen.
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Ein Teil der Festgemeinde vor dem damaligen Kirchenaufgang

75-jähriges Gründungsfest im Jahre 1959

Am 10. Mai 1959 wurde bei schönstem Wetter das 75jährige Gründungsfest begangen. Zusammen mit 39 anderen Vereinen feierte man an zwei Tagen.

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Der Kirchenzug mit den Festmädchen

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Festbraut Antonie Maierhofer, Festmutter Anna Huber, Trauermutter Pauline Mühlstraßer und Patenbraut Johanna Eder zusammen mit den Festmädchen



Für den gemütlichen Teil traf man sich im Gasthaus Schreiner. Der Platz für den Festgottesdienst war direkt im Dorf, vor der Scheune von Huber, Niedermeier

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Landrat Oswald bei seiner Festansprache, sowie Kommandant Ludwig Waldhör

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Bei der Übergabe der Fahnen- und Erinnerungsbänder.

100-jähriges Gründungsfest im Jahre 1984
Ein glanzvolles Ereignis bildete das 100-jährige Gründungsfest am 19. und 20. Mai 1984. Eine neue Fahne gab’s nicht, dafür wurden sowohl die bestehende Fahne, als auch die Standarte aus dem Jahre 1909 neu renoviert. Für den Gottesdienst wurde im Anschluss an den Ortsteil Sonnleiten ein Platz errichtet. Durch Pfarrer Anton Würzinger und Pfarrer Dr. Eichinger erhielt beim Festgottesdienst das neue Löschfahrzeug seine Weihe. Im Anschluss machten sich die anwesenden 63 Vereine auf den Weg zum Festzelt (beim alten Sportplatz, Kronschnabl). Neben zahlreichen prominenten Gästen waren auch ca. 1500 Schaulustige gekommen und säumten die Straßen entlang des Zuges.

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Der Festzug auf dem Weg vom Zelt zum Kirchenplatz.

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Die Festdamen mit den Begleitmädchen: Patenbraut Brigitte Grubmüller mit Renate Schantz und Ilona Bründl, Festmutter Stefanie Bachl mit Petra Waldhör und Monika Mühlstraßer, Patenbraut Anna Prinz mit Margit Fisch und Anita Müller und Festbraut Marion Schöfberger mit Martina Mühlstrasser und Tanja Hofbauer.

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Die Taferlbuben des 100-jährigen Gründungsfestes zusammen mit Festausschussmitglied Josef Bachmeier

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Die Festmädchen beim 100-jährigen Gründungsfest

Geschichte von Standarte und Fahne

Nach Gründung im Jahre 1884 schaffte sich die junge Feuerwehr eine Standarte an. Bereits zum 25-jährigen Bestehen im Jahre 1909 hatte man eine neue Standarte anfertigen lassen, wie es in den alten Aufzeichnungen heißt, „anlässlich des 25-jährigen Bestehens und weil die alte Standarte schon sehr stark abgetragen war“. 50 Jahre später, zum 75-jährigen Bestehen hatte man eine neue Fahne in Auftrag gegeben. Die Standarte aus dem Jahre 1909 hatte ausgedient – glaubte man damals. Doch knapp 25 Jahre später wurde die Standarte wieder belebt. Nach einer umfangreichen Restaurierungsaktion erstrahlte die Standarte zum 100-jährigen Gründungsfest in neuem Glanze. In den ersten Jahrzehnten war die Standarte beim jeweiligen Fahnenjunker in Verwahrung. Ab ca. dem Jahre 1955 bis zum Jahr 1980 wurden die neue Fahne sowie die ausgediente Standarte bei Huber, Niedermeier untergebracht. Anschließend hatte sich ein Platz im alten Schulhaus gefunden. Während der Umbauarbeiten im Jahre 2006 wurde die Fahne stark verunreinigt. Daraufhin wurde sie zur Reinigung ins Kloster Thyrnau gebracht. Wie sich dabei herausstellte war eine einfache Reinigung nicht möglich, eine umfangreiche Renovierung musste vorgenommen werden. So erfolgte eine Zerlegung in die Einzelteile, der Basisstoff wurde komplett erneuert. Die Rückholung erfolgte im April 2007.

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Schwester Mechthild Bernart erklärt bei der Abholung im Kloster Thyrnau Vorstand Josef Waldhör, Kommandant Thomas Steiner und Kassier Johann Forster die Arbeiten an der Fahne


Nachdem bei der Restaurierung wesentliche Teile der Fahne neu wurden, entschied man sich die Fahne neu segnen zu lassen. Knapp zwei Jahre, bis zum 125-jährigen Gründungsfest im Mai 2009, sollten jedoch nicht vergehen. So erhielt im Zuge einer Andacht in der Kirche die renovierte Fahne am 9. Juni 2007 erneut den Segen.

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Segnung der Fahne durch Pfarrer Hans Fischer


Zukünftig wird die restaurierte Fahne von den neuen Erinnerungsbändern geschmückt.

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Gruppenfoto